Die kurze Antwort
Für fast jedes Cocktailrezept brauchst du genau zwei Maße: 2 cl und 4 cl. Hast du ein Barmaß mit beiden Seiten, brauchst du keine Waage und keinen Messbecher aus der Küche. Wichtig ist nur eines — dass du weißt, wo bei deinem Maß „voll" ist. Das ist der Punkt, an dem die meisten daneben liegen, und er kostet nichts außer einmal hinsehen.
Warum Augenmaß beim Mixen nicht reicht
Die Sache mit dem freien Einschenken ist nicht, dass zu viel im Glas landet. Sie ist, dass jedes Mal etwas anderes im Glas landet. Das erste Glas fällt großzügig aus, das vierte auch, und am Ende weiß niemand mehr, was eigentlich drin war.
Bei einem Longdrink fällt das kaum auf. Bei allem, was aus mehreren Zutaten besteht, schon — denn ein Rezept ist kein Mengenplan, sondern ein Verhältnis. Ein Sour lebt davon, dass Spirituose, Zitrone und Sirup zueinander passen. Schenkst du die Spirituose großzügig ein und den Sirup knapp, kippt der Drink ins Saure. Du schmeckst dann nicht mehr das Rezept, sondern deinen Schwung.
Dazu kommt ein Punkt, der nichts mit Geschmack zu tun hat: Wer frei Hand einschenkt, weiß nicht, wie viel Alkohol er seinen Gästen ausgibt. Mit einem festen Maß weißt du es.
2 cl und 4 cl: die beiden Maße, die fast alles abdecken
In Rezepten stehen fast immer Zentiliter. Die Umrechnung ist einfach: 1 cl sind 10 ml, 2 cl also 20 ml und 4 cl entsprechend 40 ml.
- 2 cl ist das kleine Maß. Es steht für einen einfachen Ausschank und für die Nebenzutaten — Likör, Sirup, Zitronensaft
- 4 cl ist das große. Es steht für die Hauptspirituose in den meisten Drinks
Ein klassischer Sour ist damit komplett abgedeckt: 4 cl Spirituose, 2 cl Zitronensaft, 2 cl Zuckersirup. Zwei Seiten, drei Handgriffe, fertig. Für Rezepte, die 1 cl oder 3 cl verlangen, füllst du die passende Seite halb oder anderthalb Mal — auch das geht genauer, als es klingt, wenn du die Seite einmal voll gesehen hast.
Wo „voll" ist — der Fehler, den fast alle machen
Barmaße gibt es in zwei Bauarten, und sie werden unterschiedlich gefüllt. Bei der einen füllst du bis zum Rand, bei der anderen bis zu einer Markierung im Inneren. Wer eine Markierung übersieht und randvoll macht, hat schnell einen Zentiliter zu viel drin — bei 2 cl ist das die Hälfte.
Schau dir dein Maß deshalb einmal von innen an, bevor du den ersten Drink machst. Bei vielen Maßen ist das in zwei Sekunden geklärt.
Bei unserem Maß gibt es im Inneren keine Markierung — auf keiner der beiden Seiten. Beide Kelche werden bis zum Rand gefüllt. Die Menge steht außen auf dem Metall: „4 CL" auf dem größeren Kelch, „2 CL" auf dem kleineren. Jede Seite ist also ein festes Maß — du misst, indem du die passende Seite nimmst und randvoll füllst, nicht indem du eine Linie triffst.
Edelstahl oder Kunststoff — worauf es wirklich ankommt
Der Unterschied zeigt sich weniger beim Messen als danach.
Kunststoff ist leicht und günstig. Er bekommt mit der Zeit feine Kratzer, und in denen setzt sich fest, was du hineingegossen hast — der Anis von gestern ist im Kaffeelikör von heute noch zu ahnen.
Metall bleibt glatt und lässt sich unter fließendem Wasser sauber ausspülen. Dafür wird es in der Hand kalt und ist nass etwas rutschig. Wer öfter mixt, kommt damit trotzdem besser zurecht.
Unser Maß ist aus Chromnickelstahl, silber, und wiegt 34 Gramm bei 9,5 Zentimetern Höhe und 4 Zentimetern Durchmesser.
Reinigen und aufbewahren
Alles, was Zucker enthält — Sirup, Likör, Saft — trocknet klebrig an. Wenn du das Maß direkt nach dem Mixen kurz ausspülst, sparst du dir später das Schrubben. Das ist der ganze Trick.
Unser Maß gehört nicht in die Spülmaschine. Es wird von Hand gereinigt — kurz ausspülen, abtrocknen, fertig. Aufbewahrt wird es offen und trocken, nicht feucht in der Schublade.
Wenn du für mehrere mixt
Für eine Runde musst du nicht viermal dasselbe abmessen. Rechne hoch und miss die Gesamtmenge in einem Zug in den Shaker: Vier Sours sind 16 cl Spirituose, 8 cl Zitrone, 8 cl Sirup — also viermal die große Seite und je viermal die kleine.
Zähle dabei laut mit — nach dem dritten Mal verliert man sonst den Faden.
Und wenn gerade kein Barmaß da ist?
Dann geht es auch, es wird nur ungenauer — und du solltest wissen, wie ungenau.
- Ein Schnapsglas ist kein Maß. Es fasst, was es fasst. Manche fassen 2 cl, andere deutlich mehr, und ansehen kann man es ihnen nicht
- Ein Esslöffel fasst rund 15 ml, also etwa anderthalb Zentiliter. Für 2 cl brauchst du gut einen Löffel — genau treffen wirst du es nicht, und beim Sour schmeckt man das
- Der Messbecher aus der Küche ist unten am ungenauesten — genau dort, wo 20 und 40 Milliliter liegen. Seine Skala ist für Mehl gemacht
Für einen Drink am Abend reicht das. Sobald du eine Runde machst, merkst du den Unterschied.